Durch Ärztepfusch sterben 5 mal mehr Menschen als im Straßenverkehr

Geschrieben von DZPR am in AOK-Gesundheit, Patientenrechtegesetz

Sind 7.500 Todesfälle in deutschen Kliniken vermeidbar?

Nach dem aktuellen AOK-Krankenhausreport sterben jährlich ca. 18.800 Krankenhaus-Patienten an Behandlungsfehlern bzw. Komplikationen nach ärztlichen Behandlungen. Laut Expertenmeinung könnten fast die Hälfte dieser Todesfälle vermieden werden. Erschreckenderweise sind hygienische Mängel eine häufige Ursache für Behandlungsfehler mit Todesfolge. Somit würde eine bessere Händedesinfektion oftmals ausreichen, um die Anzahl der Todesfälle zu verringern.

Durch Ärztepfusch sterben 5 mal mehr Menschen als im Straßenverkehr

Die Information, dass in deutschen Krankenhäuser jährlich 18.800 Patienten an ärztlichen Fehlern sterben, ist das Ergebnis der Universität Witten/Herdecke für den aktuellen AOK-Krankenhausreport.

Geht man davon aus, dass diese Zahl korrekt ist, bedeutet das, dass durch ärztliche Kunstfehler in Krankenhäusern hierzulande 5 mal mehr Menschen sterben als bei Verkehrsunfällen auf der Straße.

Was kann dagegen getan werden?

Das tragische ist, dass nach der vorzitierten Untersuchung knapp die Hälfte dieser Todesfälle vermeidbar gewesen wären. Das heißt, dass der Tod des Patienten dann nicht hätte sein müssen, wenn es sich um Komplikationen handelt, bei denen in der letztlichen Behandlung Fehler gemacht wurden. Der Studie zufolge könnten rund 40 Prozent der Patienten durch gezielte Qualitätsmaßnahmen am Leben bleiben.

Wie viele Patienten sind von ärztlichen Behandlungsfehlern und Komplikationen betroffen?

Verhängnisvolle Behandlungsfehler und die daraus resultierenden Komplikationen gehören offenbar zum Alltag in deutschen Kliniken.

Der AOK-Studie zufolge werden von ca. 19 Mio. Krankenhausbehandlungen jährlich 5 bis 10 Prozent fehlerhaft durchgeführt. Rein rechnerisch sind damit jährlich rund 1,8 Mio. Patienten betroffen.

Die Wissenschaftlicher gehen davon aus, dass bei aufmerksamer Arbeit des Klinikpersonals ca. 40 Prozent dieser Fälle vermieden werden können.

Typische Fehler in deutschen Krankenhäusern sind:

  1. Verwendung falscher Medikamente
  2. Verabreichung verwechselter Medikamente
  3. Falsche Dosierung der Medikamente
  4. Fehlende Beachtung der Wechselwirkung der Medikamente untereinander.

Wie oft passieren Kunstfehler bei Operationen?

Sowohl betroffene Patienten, aber auch Mediziner berichten immer wieder von Komplikationen nach Operationen. Hierzu gehören:

  1. Infizierte Wunden
  2. Verletzung von Nachbarorganen während der Operation
  3. Verwechselte Gliedmaßen
  4. Fehlerhafte Auswahl der Prothesen.

Bei rund 200.000 Behandlungen läuft hier etwas schief. Danach soll allein der Arzt fahrlässig gegen seine Sorgfaltspflicht verstoßen haben. Anwälte sprechen hier von Behandlungsfehlern.

Dabei ist die Dunkelziffer der tatsächlichen Kunstfehler unbekannt. Die veröffentlichten Zahlen gelten als konservativ. Tatsächlich könnten sie weit aus höher liegen.

Wann sind Fehler vermeidbar? Wann sind missglückte Behandlungen schicksalhaft?

Diese beiden Fragen entscheiden über das juristische Ergebnis und damit über den Erfolg oder Misserfolg bei einem Gerichtsverfahren gegen die Klinik.

Der vermeidbare Fehler stellt immer einen ersatzpflichtigen Behandlungsfehler dar.

Umgekehrt bedeutet das leider nicht, dass dieser Fehler auch tatsächlich einen Schadenersatzanspruch auslöst. Schadenfälle, die schicksalhaft entstehen oder nicht kausal sind, führen nicht zu einer Haftung der Klinik und der Ärzte.

Stimmt es, dass einige Krankenhäuser die Hygiene nicht so ernst nehmen?

Ja, so scheint es, wenn man den veröffentlichten Berichten Glauben schenkt. So infizieren sich viele Patienten in Krankenhäusern mit Bakterien, Keimen oder multiresistenten Erregern. Der Grund liegt meist in einer unzureichenden Hygiene des Pflegepersonals und der Ärzte. Diese Keimübertragung auszuschalten, ist nicht schwer: Die Desinfektion der Hände nach jedem Kontakt mit Patienten, das fehlende Tragen von Uhren und Schmuck und die Einhaltung der notwendigen Hygieneregeln reichen aus, um den Übertragungsweg weitestgehend auszuschalten. Jedoch beachten den durch das Robert Koch Institut vorgegebenen Hygienemaßstab nicht alle Kliniken.

Was bedeutet Standard in der ärztlichen Behandlung?

Jürgen Klauber, Leiter des Wissenschaftlichen Institutes der AOK, WIdO, verweist auch darauf, dass Behandlungsfehler nicht selten auf fehlende Routine der ärztlichen Behandler zurückzuführen sind. Dies wird besonders deutlich bei der Behandlung von „Frühchen“. Aber auch bei Hüftoperationen besagt die Statistik, dass mit der Routine der ärztlichen Behandlung auch die Sicherheit der Vermeidbarkeit von Fehlern steigt.

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