Haftung des Arztes aufgrund nichtzeitgerechter Verlegung des Patienten

Geschrieben von DZPR am in Allgemein, BGH Urteil

Befunderhebungsfehler, BGH, Urteil vom 21.02.2014, Az.: XI ZR 78/13

Der BGH hatte in dem vorliegenden Rechtsstreit darüber zu entscheiden, ob der Arzt (Konsiliararzt) einer Patientin gegenüber zum Schadenersatz verpflichtet ist, weil dieser die Ursache ihrer Beschwerden (hier eine Thrombose der inneren Hirnvene) nicht erkannte und erst am nächsten Tag – nach Durchführungen weiterer Untersuchungen – eine Verlegung der Patientin in das Universitätsklinikum organisierte. Dort wurde eine Therapie gegen die Hirnvenenthrombose eingeleitet.

Die Behandlung war jedoch zu spät, so dass die Patientin infolge dieser Hirnvenenthrombose körperlich und aufgrund des hirnorganischen Psychosyndroms eine geistige Schwerstbehinderung erlitt.

Die Patientin wirft den Konsiliararzt nun vor, die erlittene Hirnvenenthrombose zu spät erkannt und eine Verlegung in die Universitätsklinik nicht rechtzeitig veranlasst zu haben.

Der BGH bestätigt die Auffassung des Berufungsgerichtes, dass ein sogenannter Fall des Befunderhebungsfehlers vorliegt. Denn ein gerichtlich bestellter Sachverständiger stellte fest, dass ärztlicherseits zwar die Notwendigkeit einer weiteren Befunderhebung erkannt wurde und damit eine umgehende Verlegung in eine ausreichend ausgestattete Klinik der Maximalversorgung zwingend hätte veranlassen müssen.

Ob eine Verlegung als solche möglich war, spielt hierbei keine Rolle.

In ständiger Rechtssprechung bestätigt der BGH die Beweislastumkehr aufgrund des anzunehmenden Befunderhebungsfehlers. Denn nach der Rechtssprechung des erkennenden sechsten Senates erfolgt bei der Unterlassung der gebotenen Befunderhebung eine Beweislastumkehr im Hinblick auf die haftungsbegründende Kausalität. Dies bereits vor dem Hintergrund der Unterlassung einer aus medizinischer Sicht gebotenen Befunderhebung. Hieraus  resultiert die grobe Fehlerhaftigkeit der Unterlassung.

Aber auch ein nicht grob fehlerhaftes Unterlassen einer Befunderhebung kann zu einer Umkehr der Beweislast hinsichtlich der Kausalität des Behandlungsfehlers für den eingetretenen Gesundheitsschaden führen.

Dies ist dann der Fall, wenn sich bei der gebotenen Abklärung mit der hinreichenden Wahrscheinlichkeit ein reaktionspflichtiges, positives Ergebnis gegeben hätte und sich die Verkennung dieses ergebenden Befundes als fundamental bzw. die Nichtreaktion hierauf dann als grob fehlerhaft darstellen würde.

Am Rande stellte der BGH fest, dass eine Klinik, die eine Schlaganfalleinheit, eine sogenannte STROKE-UNIT tatsächlich einrichtet, jedoch deren technische und/oder personelle Unzulänglichkeit hinnimmt, sich möglicherweise einem Organisationsmangel aussetzt.

In dem vorliegenden Rechtsstreit erhielt die Klägerin im Wesentlichen ihre geltend gemachten Ansprüche zugesprochen.

Tags:,

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Zum kommentieren bitte einloggen.